Der internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2026
Um und am 27. Januar dieses Jahres finden in Koblenz und an vielen anderen Orten wieder die Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Eine Übersicht über die Veranstaltungen im ganzen Land Rheinland-Pfalz gibt das Programmheft des Landtages. Die Veranstaltungen unseres Fördervereins für die Stadt Koblenz finden Sie auf den Seiten 42, 43 und 44.
Das Programmheft kann HIER heruntergeladen werden.
Zu den eigenen Veranstaltungen hat unser Förderverein folgende Erklärung herausgegeben:
Mitteilung für die Veranstaltungen zum Gedenktag für die NS-Opfer am 27. Januar 2026
Am 27. Januar 2026 jährt sich zum 81. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Dieser Tag wurde vor 30 Jahren auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum nationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Im Jahr 2005 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust proklamiert.
Seitdem ist der 27. Januar eines jeden Jahres kein offizieller „Feiertag“, aber ein Gedenktag, an dem die öffentlichen Gebäude beflaggt sein und an dem Gedenkveranstaltungen stattfinden sollen. Vorbildlich sind die Parlamente. Der Bundestag gedenkt jedes Jahr in einer Sondersitzung dieses Ereignisses. Und auch der Landtag von Rheinland-Pfalz kommt aus diesem Anlass zu einer Plenar-Sondersitzung zusammen.
Auch in Koblenz erinnert der Förderverein Mahnmal Koblenz seit 1998 zusammen mit der Stadt und Kooperationspartnern an die verfolgten, geschundenen und ermordeten Menschen während der Hitler-Diktatur. Mit Veranstaltungen am und um den Internationalen Gedenktag wollen wir in dieser sehr aufgewühlten, friedlosen und bedrohten Welt am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz an die Nazi-Verbrechen und die sie erleidenden Menschen erinnern und mahnen.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltungen zum 27. Januar stehen die Menschen, die Opfer des Nazi-Terrors wurden, weil sie krank, behindert oder sozialunangepasst waren. Als „minderwertig“ nahm man ihnen erst das Recht auf Nachkommen, dann das Recht auf Leben.
Dazu präsentiert der Förderverein Mahnmal Koblenz die Ausstellung des Herz-Jesu-Hauses Kühr in Niederfell/Untermosel „Wir werden verbrannt, wir müssen sterben.“ Die Ausstellung dokumentiert auf 11 Roll Ups und einem Biographieturm die Verschleppung von 150 Bewohnerinnen der damaligen „Idiotenanstalt Kühr“ im Mai 1943 in deutsche NS-Tötungsanstalten und von dort aus in weitere Tötungsanstalten im von Deutschland besetzten Polen. Das Motto der Ausstellung ist ein Zitat eines dieser Mädchen und Frauen.

Übersicht zu den drei Verschleppungen der 150 Bewohnerinnen des Herz-Jesu-Hauses Kühr
in Niederfell an der Untermosel im Mai 1943 (Quelle: Herz-Jesu-Haus Kühr in Niederfell).
Ergänzt wird diese Ausstellung von Biografien von Menschen aus Koblenz und Umgebung, die aufgrund des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ zwangsweise sterilisiert und/oder in der Tötungsanstalt Hadamar bei Limburg an der Lahn ermordet wurden.

Tötungsanstalt Hadamar bei Limburg an der Lahn mit Rauch von den zuvor mit Giftgas ermordeten Kranken, 1941 (Quelle: Gedenkstätte Hadamar).
Auf 21 Personentafeln gibt der Förderverein Mahnmal Koblenz den Opfern aus Koblenz und Umgebung ihren Namen zurück und stellt ihr Schicksal dar. Porträtiert werden:
- Magdalena M. (zwangssterilisierte junge Frau aus Koblenz-Metternich)
- Johann Ch. (zwangssterilisierter Mann aus Koblenz-Arenberg)
- Josef G. (zwangssterilisierter Mann aus Koblenz-Horchheim)
- Anton Sch. (zwangssterilisierter Mann aus Koblenz-Arenberg)
- C.M.B. (zwangssterilisiertes Mädchen aus Koblenz)
- Heinrich R. (sterilisierter Mann aus Koblenz)
- Josef P. (zwangssterilisierter Mann aus Koblenz-Horchheim)
- Maria K. (zwangssterilisierte junge Frau aus der Nähe von Ahrweiler)
- Alois Gass (NS-„Euthanasie“-Opfer aus Koblenz)
- Edmund Zimmer (Epileptiker aus Koblenz, „Euthanasie“-Opfer)
- Karl Heinz Spiegel ("Euthanasie"-Opfer, geboren in Koblenz, später gelebt in Bad Ems)
- Gerhard (Gerd) W. (NS-"Euthanasie"-Opfer aus Bendorf)
- Jakob R. (zwangssterilisierter Mann und Opfer der NS-"Euthanasie" aus Koblenz-Horchheim)
- Selma Grünewald (jüdische Frau aus Kobern-Gondorf, ermordet)
- Willy und Horst Strauß (jüdische Kinder aus Bad Ems, ermordet)
- Josef J. (Zwangsarbeiter aus Litauen im Lager Rebstock bei Dernau/Ahr, ermordet)
- Anna K. (Zwangsarbeiterin aus der Sowjet-Union in Hönningen/Kreis Ahrweiler, ermordet)
- Felix K. (ermordeter Mann aus Koblenz)
- Elisabeth M. (ermordete junge Frau aus Mülheim-Kärlich)
- Sybilla Roos (ältere Frau, Opfer der NS-"Euthanasie")
- Katharina P. (zwangssterilisierte Frau aus Koblenz-Horchheim)
Eröffnet wird die Ausstellung am Montag, dem 19. Januar 2026, um 18.00 Uhr in der Citykirche am Jesuitenplatz in der Altstadt. Dazu begrüßt der Vorsitzende des Fördervereins Dr. Martin Schlüter. Der stellvertretende Vorsitzende und Kurator der Ausstellung Joachim Hennig gibt eine Einführung. Die Eröffnung der Ausstellung wird umrahmt von den Musikern Eleonore Ciupka (Flöte) und Antònio Andrane (Fagott).
Die Ausstellung ist dann zu besichtigen bis Freitag, 6. Februar 2026, von Montag bis Samstag von 9.30 bis 17.30 Uhr (aber nicht während der Gottesdienste). Führungen sind möglich. Anfragen richten Sie bitte an den Förderverein:
Am 27. Januar 2026 selbst findet das Gedenken der Stadt Koblenz statt. Es beginnt um 17.30 Uhr mit einer Statio am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz auf dem Reichensperger Platz unter Mitwirkung von Oberbürgermeister David Langner und Schülerinnen und Schülern der Diesterweg- und Hans-Zulliger-Schule. Das Gedenken wird gegen 18.00 Uhr fortgesetzt mit der Gedenkstunde in der Citykirche mit Ansprachen des Oberbürgermeisters und des Vorsitzenden des Fördervereins Mahnmal Koblenz und dem christlich-jüdischen Gebet. Die Gedenkstunde wird musikalisch umrahmt von Eleonore Ciupka (Flöte) und Werner Höss (Orgel). Anschließend ist Gelegenheit, die Ausstellung zu besichtigen.
Im Begleitprogramm hält der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Joachim Hennig am Donnerstag, dem 5. Februar 2026, um 18.00 Uhr in der Citykirche einen Vortrag mit dem Thema: „Zwangssterilisationen und Krankenmorde – Opfer, Orte, Täter in Koblenz und Umgebung“.
Zu den Veranstaltungen, die alle kostenlos sind, sind alle Interessierten herzlich eingeladen.
