Die Täter

Über die Opfer des Nationalsozialismus wissen wir viel…. sechs Millionen und so… Wir meinen, viel zu wissen. Tatsächlich kennen wir einige Zahlen, Fakten und Daten. Wenn es um eine gründlichere Kenntnis und um Erkenntnisse geht, dann sieht es schon etwas bescheidener aus. Noch bescheidener wird es, wenn es um die Opfer und Geschehnisse vor Ort geht. Sehr vieles davon ist nicht (mehr) im kollektiven Gedächtnis der Stadt und ihrer Bürger – erst recht nicht aufgezeichnet, gleichsam abrufbar, präsent.

Dieser Aufgabe der Erinnerungsarbeit, der Aufzeichnung und Bewahrung, dem Kampf gegen das Vergessen(wollen) hat sich der Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V. verschrieben. In seiner engagierten Recherche- und Aufklärungsarbeit seit 1996/97 hat er viel erreicht. Immer wieder dokumentiert, beschreibt, erzählt er Lebensschicksale von Opfern des Nationalsozialismus aus Koblenz und Umgebung.

Bei dieser Aufklärungs- und Erinnerungsarbeit fällt immer wieder auch das große Interesse an den Tätern auf. Angeregt etwa durch die „Wehrmachtsausstellung“ (d.i. die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung) und durch Publikationen wie die von Christopher R. Browning („Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die ‚Endlösung in Polen’“) und Harald Welzer („Täter - Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden“) ist seit längerem das Interesse eines breiten Publikums erwacht, Näheres auch über den Werdegang und das Handeln von NS-Tätern vor Ort zu erfahren.

Diesem Interesse trägt der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig seit dem Jahr 2006 Rechnung. Seitdem stellt er in der seit dem Wintersemester 2001/02 bei der Volkshochschule Koblenz laufenden dreiteiligen Vortragsreihe zum Thema „Verfolgung und Widerstand in Koblenz 1933 – 1945“ jeweils drei Täter aus Koblenz und der Region vor.

Im Folgenden werden die Ankündigungen dieser Vorträge bei der VHS Koblenz wiedergegeben und mit weiterführenden Hinweisen versehen. Wer sich für diese Vortragsreihe über Täter aus Koblenz und Umgebung interessiert, dem seien die Veranstaltungen des stellvertretenden Vorsitzendes des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig in den Wintersemestern bei der VHS Koblenz empfohlen

 

 


 

Staatsanwalt Josef Abbott (1913 – 1982)


In Aachen geboren, studierte Abbott Rechtswissenschaften und absolvierte seine Referendarzeit im Oberlandesgerichtsbezirk Köln. Nach dem 2. juristischen Staatsexamen wurde er zunächst Staatsanwalt in Koblenz, dann in Trier, dann in Graudenz. Schließlich war er Staatsanwalt beim Sondergericht in Danzig. Dort erwirkte er als Ankläger u.a. ein Todesurteil gegen eine Hausfrau, weil diese erschlichene Lebensmittelkarten verbraucht und veräußert hatte. Nach Kriegsende kehrte Abbott nach Andernach zurück und wurde wieder Staatsanwalt in Koblenz. Nach einiger Zeit wurde er an Polen ausgeliefert und dort zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. 1955 entließ man ihn aus polnischer Strafhaft. Kurz darauf war Abbott als Spätheimkehrer zurück in Andernach und in Koblenz. Noch im selben Jahr wurde er als Staatsanwalt wieder verwendet, zum Beamten auf Lebenszeit und zum Ersten Staatsanwalt ernannt. Im Jahre 1974 erfolgte noch seine Beförderung zum Oberstaatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft in Koblenz.

 

Weiterführende Hinweise:

  • Der Spiegel Nr. 49/1984
  • Rhein-Zeitung Nr. 101 vom 2. Mai 1985

 


 

Staatsanwalt Leonhard Drach (1903 – 1996)

Nach dem Schulbesuch in Aachen studierte Drach Jura in Köln und Bonn. Nach dem 2. Staatsexamen war er ab 1931 Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Trier – nach der Machtübernahme der Nazis u.a. zuständig für Presse- und politische Strafsachen. Seit 1933 war Drach Mitglied der NSDAP, des NS-Rechtswahrerbundes, der SA und SS-Fördermitglied. 1934 folgte seine planmäßige Anstellung als Staatsanwalt in Trier, 1937 seine Mitarbeit beim Gaurechtsamt in Koblenz. 1941 wurde er Erster Staatsanwalt in Koblenz und dann Vertreter der Staatsanwaltschaft beim neu gebildeten Sondergericht in dem besetzten Luxemburg. Dort wirkte er an zahlreichen Verfahren mit, die mit Todesurteilen endeten. 1942 war er Anklagevertreter beim Standgericht, das auf Drachs Anträge hin in 10 Tagen 20 Todesurteile verhängte; diese wurden umgehend im SS-Sonderlager/KZ Hinzert vollstreckt. Gegen Kriegsende war Drach Erster Staatsanwalt in Koblenz. Nach dem Krieg verurteilte ihn der Luxemburgische Gerichtshof für Kriegsverbrechen zu 15 Jahren Zwangsarbeit. 1954 wurde er auf dem Gnadenweg nach Deutschland abgeschoben. In Kenntnis aller Umstände wurde er wieder in die Justiz des Landes Rheinland-Pfalz eingestellt – allerdings nicht in Koblenz sondern in Frankenthal. 1960 erfolgte seine Beförderung zum Oberstaatsanwalt. Mit 63 Jahren trat Drach 1966 in den Ruhestand.

 

Weiterführende Hinweise:

  • Joachim Hennig: Beitrag "Drach", in: Trierer biographisches Lexikon (Gesamtbearbeitung: Heinz Monz), Koblenz 2000, S. 87 f
  • Der Spiegel Nr. 6/1965
  • Der Spiegel Nr. 19/196

 


 

SS-Sturmführer Emil Faust (1899 – 1966)

Der 1. Dia-Vortrag befasst sich mit dem in Oberlahnstein geborenen Emil Faust. Schon als Schüler der Schenkendorfschule in Koblenz war der kleine Emil als rau und robust verschrien. Später begann er eine Lehre als Kupferschmied, wurde schon früh straffällig. Er war Kriegsteilnehmer, Mitglied eines Freikorps und in der Fremdenlegion. 1929 trat er in die NSDAP sowie in die SS ein und war bald Führer des Koblenzer SS-Sturms. Nach der Machtübernahme der Nazis quälte er erst recht die politischen Gegner, vor allem die Kommunisten. Im August 1933 kam er in die Emslandlager. Bald wurde er Kommandant des Konzentrationslagers Neusustrum. Nach späterer Aussage eines seiner Opfer war er „der gefürchtetste Kommandant – selbst bei der SS gefürchtet“. Schon Ende 1933 war seine Karriere zu Ende. Faust kehrte nach Koblenz zurück. Wegen seiner Gewalttätigkeit war er selbst für die SS ein Problem. Die NSDAP verschaffte ihm nur noch den Posten des Hausmeisters in der Grundschule in der Handwerkerstraße. Im Jahr 1950 wurde er vom Schwurgericht Osnabrück wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt.

 

Weiterführende Hinweise:

  • Hans-Peter Klausch: Tätergeschichten. Die SS- Kommandanten der frühen Konzentrationslager im Emsland, Bremen 2005, Kapitel 5: SS-Sturmführer Emil Faust (1899 - 1966) - Kommandant des Konzentrationslagers Neusustrum, S. 232 ff.



 

Gauleiter Josef Grohé (1902 - 1987)

Ein wichtiger Agitator des aufkommenden Nationalsozialismus in Koblenz und Umgebung war der aus Gemünden/Hunsrück gebürtige Gaugeschäftsführer Josef Grohé. Aufgewachsen als Sohn eines Kleinbauern in Gemünden (Hunsrück) war er schon als Heranwachsender in völkischen und rassistischen Grüppchen in Köln tätig. Schon früh wurde er NSDAP-Mitglied und Gaugeschäftsführer des Gaues Rheinland-Süd unter Robert Ley. Das Gespann Ley-Grohé war im Rheinland, auch in Koblenz und Umgebung, für seine Provokationen und seine Aggressivität berüchtigt. Grohé war auch Chefredakteur des Westdeutschen Beobachters. Nach der Teilung des Gaues Rheinland-Süd im Jahr 1931wurde Grohé Gauleiter von Köln-Aachen. Während der NS-Zeit war er höchster Repräsentant der NSDAP im Kölner Raum. Im Juli 1944 war er für kurze Zeit noch Reichskommissar für die besetzten Gebiete in Belgien und Nordfrankreich. Nach dem Krieg wurde er interniert, eine Haftstrafe musste er nicht verbüßen. Er starb ohne jede Reue.



 

Kriminalbeamter Georg Heuser (1913 - 1989)

Der in Berlin geborene Heuser trat nach dem Studium der Rechtswissenschaften in die Kriminalpolizei und die SS ein. Ab 1941 stand er im Osteinsatz der Einsatzgruppe A im Rang eines SS-Obersturmführers. 1942/43 war er an Massenexekutionen mit ca. 11.100 ermordeten Juden beteiligt. Nach dem Krieg verschwieg Heuser seine NS-Vergangenheit. Er machte als wieder verwendeter Beamter in der rheinland-pfälzischen Polizei Karriere. 1956 kam er zum Landeskriminalamt nach Koblenz, wurde zunächst Stellvertretender Leiter und 1958 mit seiner Beförderung zum Kriminaloberrat Leiter des Landeskriminalamtes. Im folgenden Jahr holte ihn seine Vergangenheit ein. Er wurde verhaftet und im Jahr 1963 vom Landgericht Koblenz wegen Beihilfe zum Mord und zum Totschlag zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

 

Weiterführende Hinweise:

  • Hans Kirsch: Sicherheit und Ordnung betreffend Geschichte der Polizei in Kaiserlautern und in der Pfalz 1276 - 2006. Kaiserlautern 2007, S. 673 - 683

 


 

Lehrer Wilhelm Kircher (1898 - 1968)


Ein ganz anderer Täter war der in Frankfurt/Main geborene Wilhelm Kircher. Nach der Teilnahme am I. Weltkrieg wurde er Volksschullehrer an einer Dorfschule bei Altenkirchen/Westerwald. Bald gehörte er zu den bekanntesten und engagiertesten Schulreformern in der Weimarer Zeit; gleichzeitig war er ein Pionier des Schulfunks. Inzwischen Mitglied der NSDAP und Kreisfachschaftsleiter für Lehrer an Volksschulen kam er Ende 1934 nach Winningen. Seine Schüler erzog er in der Ideologie der Nazis, förderte ihre Wehrtüchtigkeit und ihren Wehrwillen und machte mit ihnen Großfahrten zu den "Weihestädten Deutschlands" Noch während der Winninger Zeit wurde er ideologischer Funktionär in der Lehrerfortbildung, war dann Reichsfachschaftsleiter und "Reichsbeauftragter für die weltanschauliche Schulung der deutschen Erzieher". Nach dem Krieg hatte Kircher einige Jahre ( bis 1950 ) Schwierigkeiten, wieder im Schuldienst tätig zu werden.



 

Gustav Kohlstadt (geb.1899)

Der in (Koblenz-) Pfaffendorf geborene Kohlstadt hat eine für damalige Verhältnisse typische Juristenlaufbahn absolviert: Nach dem Schulbesuch, dem Abitur am Realgymnasium Koblenz im Jahr 1917 und einem Jahr als Soldat im I. Weltkrieg studierte er Rechtswissenschaften und absolvierte den juristischen Vorbereitungsdienst, jeweils mit mäßigem Erfolg. Anschließend war er Hilfsrichter bei verschiedenen Gerichten und Hilfsarbeiter bei Staatsanwaltschaften in Bonn, Trier u.a.1930 wurde er zum Amtsgerichtsrat ernannt. Seit 1933 Amtsrichter in Wuppertal, war er Blockleiter, Mitglied der NSDAP und in zahlreichen ihrer Nebenorganisationen. 1939 erfolgte seine Abordnung an das Amtsgericht und die landgerichtliche Zweigstelle Budweis in Böhmen. Ab 1943 war er Richter beim Sondergericht Prag. Nach dem Krieg und der Entnazifizierung als „Mitläufer“ war Kohlstadt Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht in Koblenz. Ende der 1950er Jahre wurde im Zuge der „Braunbuch-Kampagne“ der DDR bekannt, dass er beim Sondergericht Prag an zahlreichen Todesurteilen beteiligt war. „Unter Druck“ trat Kohlstatt Ende 1962 in den Ruhestand.

 


 

Richter und Ankläger beim Volksgerichtshof Dr. jur. Gerd Lenhardt (geb. 1898)

Der in Berlin geborene Lenhardt durchlief zunächst eine typische Juristenkarriere. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft, Referendardienst, Promotion, Gerichtsassessorenzeit wurde er 1932 zum Landgerichtsrat ernannt. 1935 kam er dann nach Koblenz und leitete die Strafkammer in brisanten Prozessen. 1938 wurde er Landgerichtsdirektor in Trier. Schließlich war er 1942 Hilfsrichter beim Volksgerichtshof und ab 1943 Zuarbeiter beim Oberreichsanwalt. Als solcher hatte er zahlreiche Todesurteile zu verantworten. Nach seiner Entnazifizierung als „Mitläufer“ wurde er Anfang der 1950er Jahre in der Justiz wieder verwendet. Bald war er Oberlandesgerichtsrat beim damaligen Oberlandesgericht in der Pfalz. 1960 ging er mit 62 Jahren in den Ruhestand und ließ sich dann als Rechtsanwalt in Neuwied nieder.



 

Gauleiter Dr. Robert Ley (1890 - 1945)

Eine wichtige Figur im aufkommenden Nationalsozialismus in Koblenz und Umgebung war Gauleiter Dr. Robert Ley. Im Oberbergischen Land geboren studierte er Chemie und nach dem I. Weltkrieg, in dem er schwer verwundet wurde, war er bei Bayer Leverkusen beschäftigt. 1924 wurde er Mitglied der NSDAP und 1925 Gauleiter von Rheinland-Süd. Er war ein fanatischer Redner und Antisemit und organisierte im Koblenzer Raum Übergriffe und Saalschlachten. Mit dem Aufstieg Gustav Simons musste er sich zurückziehen. Der Gau wurde geteilt, Ley erhielt den nördlichen Teil. Später wurde Ley Reichstagsabgeordneter, Reichsorganisationsleiter der NSDAP und Organisator der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Im Mai 1945 wurde er von den Amerikanern verhaftet und im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess angeklagt. Vor dem Urteil beging er in der Haft Selbstmord.

 

Weiterführende Hinweise:

  • Ronald Smelser: Robert Ley. Hitlers Mann an der "Arbeitsfront". Eine Biographie. Paderborn 1989

 


 

Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Dr. med. Johann Recktenwald (geb. 1882)

Der im Jahr 1882 im Saarland geborene Recktenwald war nach seinem Studium der Medizin und seiner anschließenden Ausbildung zum Arzt sowie weiteren beruflichen Stationen Direktor der Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt in Andernach. Er blieb in dieser Position, als im Frühjahr 1941 die Anstalten im Rheinland ebenfalls in die NS-„Euthanasie“-Aktion zur „Vernichtung lebensunwerten Lebens einbezogen wurden. Die Anstalt Andernach wurde „Zwischenanstalt“ bei diesen Mordaktionen, bei denen psychisch Kranke und Unangepasste vor allem in der Tötungsanstalt Hadamar bei Limburg mit Giftgas umgebracht wurden. Nach dem Krieg musste sich Recktenwald mit anderen Ärzten der Anstalt Andernach vor dem Schwurgericht Koblenz wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und wegen Mordes verantworten. Er wurde wegen erwiesener Unschuld freigesprochen, weil das Gericht ihm glaubte, dass er mit dem „Ausharren auf seinem Posten“ Schlimmeres verhindert habe.

 


 

Wilhelm Schultheis (1908 - 1963)

Schultheis gilt als sehr honoriger Mann. Er ist Ehrenbürger von Weißenthurm. Weitgehend unbekannt ist seine Verstrickung in das NS-Regime. Nach dem Schulbesuch begann er ein Studium. Dies führte er nicht zu Ende, sondern trat nach dem frühen Tod seines Vaters mit 22 Jahren in die Schultheis-Brauerei in Weißenthurm ein. Zusammen mit einem Vetter wurde er 1931 tätiger Teilhaber der Brauerei. Bereits 1933 wurde er Mitglied der NSDAP und der SS. Als „Wirtschaftsführer“ und „Kamerad“ Carl Zenners machte er schnell Karriere: Zeitweilig war er Fürsorgereferent der SS, am 9. November 1938 – am Tage der „Reichspogromnacht“ -wurde er zum SS- Obersturmführer ernannt. Seine Beteiligung an den Novemberpogromen in Koblenz und in Bendorf ist bis heute problematisch. Nach dem Krieg war er 1 ½ Jahre interniert. Im Entnazifizierungsverfahren gelang es Schultheis, im Jahr 1949 nach Vorlage vieler ihm günstiger Erklärungen als Minderbelasteter eingestuft zu werden. Im Jahr 1958 wurde er erster Ehrenbürger von Weißenthurm. Schultheis starb dann bereits 1963.

 


 

Gauleiter Gustav Simon (1900 – 1945)

Die wohl zentralste Figur während der NS-Zeit in Koblenz und Umgebung war der damalige Gauleiter Gustav Simon. Im Saarland geboren, studierte er in Frankfurt/Main und „verdiente“ sich seine ersten politischen Sporen in der NSDAP-Ortsgruppe in Hermeskeil im Hunsrück. 1929 kam er nach Koblenz, wurde schnell Vorsitzender der NSDAP-Stadtratsfraktion, Mitglied des Provinziallandtages und des Reichstages. Ab 1931 war er – nach Teilung des Gaues Rheinland – Gauleiter des Gaus Koblenz-Trier-Birkenfeld und damit „Hoheitsträger“ der NSDAP in Koblenz und Umgebung. Nach der „Machtergreifung“ setzte er die Linie der Nazis und seine eigene durch. Eine deutliche Machterweiterung erfuhr Simon im Krieg, als er nach der Besetzung Luxemburgs zum Chef der dortigen Zivilverwaltung avancierte. Er war unumschränkter Herrscher von Luxemburg, verfolgte die dortige Widerstandsbewegung sehr hartnäckig und war für zahlreiche Morde und Verschleppungen verantwortlich. Nach Kriegsende tauchte er unter falschem Namen unter. Im Dezember 1945 wurde er verhaftet. Einige Zeit später beging er Selbstmord.

 

Weiterführende Hinweise:

  • Emilie Krier: Gustav Simon (1900 - 1945), in: Rheinische Lebensbilder, Band 16, Köln 1997, S. 255 - 285

 



Josef Terboven (1898 – 1945)

Terboven war in der NS-Zeit als Oberpräsident der Rheinprovinz mehrere Jahre höchster Beamter in Koblenz. In Essen geboren und zur Schule gegangen, nahm er als Freiwilliger am I. Weltkrieg teil und wurde Leutnant der Reserve. Nach einem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, das er nicht zu Ende führte, wurde er Bankbeamter.1923 nahm er am Hitler-Putsch in München teil. Terboven wurde Bezirksleiter der NSDAP und dann Gauleiter in Essen. Bei seiner Hochzeit 1934 war Hitler Ehrengast. 1935 wurde er Oberpräsident der Rheinprovinz mit Sitz in Koblenz. Obwohl formell weiter Oberpräsident, verließ er 1940 Koblenz, um Reichskommissar für das besetzte Norwegen zu werden. Mit Hilfe von SS, Sicherheitsdienst (SD) und Gestapo errichtete er in Norwegen ein straff organisiertes Terrorregime. Die norwegische Kollaborationsregierung mit dem Ministerpräsidenten Quisling unterstand ihm. Am 8. Mai 1945, am Tag der deutschen Kapitulation, beging Terboven in einem Bunker bei Oslo Selbstmord.

 


 

Regierungspräsident Harald Turner (1891 – 1947)

Als Sohn eines Oberleutnants in Leun an der Lahn (zwischen Limburg und Wetzlar) geboren, war Turner zunächst Soldat im I. Weltkrieg und anschließend Mitglied eines Freikorps. Dann wechselte er in den öffentlichen Dienst und studierte Jura. 1930 trat er in die NSDAP ein, 1932 in die SS. Seine Karriere begann er nach der Machtübernahme der Nazis, und zwar in Koblenz. Im Mai 1933 wurde er Regierungspräsident von Koblenz. Von hier aus wechselte er 1936 als Ministerialdirektor ins Preußische Finanzministerium und 1939 in die Verwaltung des Generalgouvernements. 1940 wurde er Chef des Militärverwaltungsbezirks Paris und im April 1941 Chef der Militärverwaltung in Serbien und SS-Gruppenführer. Turner war sehr eigenwillig. Er ging im Übrigen mit großer Brutalität gegen Juden und „Zigeuner“ in Serbien vor. Im August 1942 meldete er: „Serbien einziges Land, in dem Judenfrage und Zigeunerfrage gelöst.“ Diese Massenmorde reklamierte er für sich und für die auf seinen Befehl handelnden Einsatzgruppen. Turner löste man dann wegen Auseinandersetzungen mit der Wehrmacht ab. Nach dem Krieg wurde er an Jugoslawien ausgeliefert und als Kriegsverbrecher hingerichtet.

 

Weiterführende HInweise:

  • Christopher R. Browning: Harald Turner und die Militärverwaltung in Serbien 1941 - 1942, in: Dieter Rebentisch/Karl Teppe (Hg.): Verwaltung contra Menschenführung im Staat Hitlers. Studien zum politisch-administrativen System. Göttingen 1986, S. 351 - 373




SS-Führer Karl Zenner (1899 - 1969)

Der im Kreis Saarlouis geborene Zenner war nach Schulzeit in Brohl und Andernach Soldat im I. Weltkrieg und im Freikorps im Baltikum. Als Diplom-Kaufmann arbeitete er als Angestellter bei der Brohltal AG in Burgbrohl. Schon früh trat er der NSDAP und der SS bei. Seit 1926 war er ein wichtiger SS-Führer in Koblenz und im ganzen Rheinland. Als Abgeordneter des Wahlkreises Koblenz-Trier war er ab 1932 Mitglied des Reichstages. 1937 wurde er Polizeipräsident von Aachen, später Generalmajor der Polizei und SS-Brigadeführer. Im Sommer 1941 ernannte man ihn zum SS- und Polizeiführer für Weißrussland in Minsk. Als solcher war er verantwortlich für die Ermordung von mehr als 6.000 Juden aus dem Ghetto in Minsk. Nach Ablösung von dem Posten wegen angeblicher Inaktivität bei der "Partisanenbekämpfung" war er bis Kriegsende im SS-Hauptamt in Berlin tätig. 1961 verurteilte ihn das Landgericht Koblenz wegen Beihilfe zum Mord an den Minsker Juden zu 15 Jahren Zuchthaus. Als freier Mann starb er 1969 in Andernach.